Was hat Elternmitwirkung mit Demokratie zu tun?

Wenn von Demokratie die Rede ist, denken viele zuerst an Wahlen, Parlamente oder politische Entscheidungen. Doch Demokratie findet nicht nur auf Bundes-, Landes- oder Kommunalebene statt. Sie beginnt dort, wo Menschen ihre Interessen einbringen, Verantwortung übernehmen und gemeinsam das Zusammenleben gestalten, so wie zum Beispiel in der Kita.

Ein wichtiger Bestandteil dieser demokratischen Kultur ist die Elternmitwirkung. Durch die Wahl des Elternausschusses (EA) wählen die Eltern ihre Vertretung und geben ihr den Auftrag, die Anliegen, Wünsche und Fragen der Elternschaft in die Kita hineinzutragen. Der EA ist damit weit mehr als ein Organisationsteam für Feste und Aktionen. Er ist die demokratisch legitimierte Stimme der Elternschaft und ein wichtiges Bindeglied zwischen Eltern, Kita-Leitung, pädagogischem Team und Träger.

Damit Elternmitwirkung gelingen kann, braucht es u.a. Kommunikation und Transparenz. Der EA kann seine Aufgabe nur erfüllen, wenn er die Anliegen der Eltern kennt und gleichzeitig die Elternschaft über wichtige Entwicklungen und Themen informiert. Demokratie lebt vom Austausch. Sie lebt davon, dass Informationen geteilt werden, Fragen gestellt werden dürfen und unterschiedliche Sichtweisen ihren Platz haben. Nur wenn Eltern wissen, was in ihrer Kita geschieht, können sie sich eine Meinung bilden und sich aktiv einbringen.

Dabei ist Elternmitwirkung kein freiwilliges Entgegenkommen der Kita oder des Trägers. Sie ist ein gesetzlich verankertes Recht der Eltern. Das Kita-Gesetz in Rheinland-Pfalz sieht ausdrücklich vor, dass Eltern informiert, angehört und über ihre gewählten Vertretungen beteiligt werden. Elternmitwirkung darf deshalb nicht davon abhängen, wie offen eine einzelne Einrichtung oder einzelne Verantwortliche gegenüber Beteiligung eingestellt sind. Sie ist ein wesentlicher Bestandteil einer demokratischen Kita-Kultur und ein Recht, das Eltern im Interesse ihrer Kinder wahrnehmen können.

Gleichzeitig endet Elternmitwirkung nicht beim Elternausschuss. Jede:r einzelne Erziehungsberechtigte kann sich im Kita-Alltag einbringen: durch Rückmeldungen, Anregungen, Gespräche, die Unterstützung von Projekten oder die Mitgestaltung von Aktionen und Festen. Eltern verfügen über vielfältige Erfahrungen, Fähigkeiten und Perspektiven, die das Leben in der Kita bereichern können. Eine demokratische Einrichtung schafft Räume für diese Beteiligung und zeigt den Eltern, dass ihre Meinung willkommen ist.

Demokratie bedeutet dabei nicht, dass jeder Wunsch erfüllt werden kann oder dass immer Einigkeit herrscht. Demokratie bedeutet vielmehr, unterschiedliche Interessen wahrzunehmen, abzuwägen und Entscheidungen nachvollziehbar zu treffen. Eltern müssen nicht mit jeder Entscheidung einverstanden sein, aber sie sollten die Möglichkeit haben, ihre Sichtweise einzubringen und zu verstehen, wie Entscheidungen zustande gekommen sind.

Gerade deshalb ist echte Beteiligung so wichtig. Wo Elternmitwirkung lediglich auf dem Papier existiert oder Beteiligung nur vorgetäuscht wird, entsteht Frustration. Wenn Eltern zwar angehört werden, ihre Rückmeldungen aber keinerlei Einfluss auf Überlegungen oder Entscheidungen haben, wird aus Mitwirkung schnell eine bloße Formalität. Solche Erfahrungen vermitteln das Gefühl, dass Engagement wenig bewirken kann. Demokratie lebt jedoch davon, dass Beteiligung ernst genommen wird und Menschen erleben, dass ihre Stimme zählt.

Von all dem profitieren auch die Kinder. Sie erleben, wie Erwachsene miteinander sprechen, diskutieren, unterschiedliche Meinungen respektieren und gemeinsam nach Lösungen suchen. Sie sehen, dass Beteiligung erwünscht ist und dass Verantwortung von vielen Schultern getragen werden kann. Kinder lernen Demokratie nicht nur durch Kinderkonferenzen oder Abstimmungen, sondern auch dadurch, wie die Erwachsenen in ihrem Umfeld miteinander umgehen.

Eine lebendige Elternmitwirkung stärkt deshalb nicht nur die Zusammenarbeit zwischen Familien und Kita. Sie macht Demokratie im Alltag erlebbar. Sie zeigt Eltern und Kindern gleichermaßen, dass Gemeinschaft dort gelingt, wo Menschen informiert werden, mitreden dürfen und ihre Anliegen Gehör finden. Genau deshalb ist Elternmitwirkung weit mehr als ein organisatorischer Baustein der Kita – sie ist gelebte Demokratie.