LEA fordert: Eltern dürfen beim Kinderschutz nicht ausgeschlossen werden

LEA Logo

Mainz, 26.02.2026. Verletzendes Verhalten, Ausgrenzung, sexualisierte Gewalt – unsere Kinder sind auch in Kitas nicht automatisch geschützt. Eigentlich sollten alle Erwachsenen gemeinsam und konsequent zum Wohl der Kinder handeln. Doch mehrere aktuelle Fälle in rheinland-pfälzischen Kitas zeigen: Wenn es Probleme gibt, werden Eltern teilweise zu spät oder unzureichend informiert. Der Landeselternausschuss der Kitas in Rheinland-Pfalz (LEA RLP) fordert deshalb klare Konsequenzen.

„Kinderschutz ist keine interne Angelegenheit von Trägern oder Einrichtungen. Eltern haben ein Recht darauf zu erfahren, was in der Kita ihres Kindes passiert – insbesondere dann, wenn es um mögliche Gefährdungen geht“, erklärt Annegret Neugschwender, Vorsitzende des Landeselternausschusses.

Der LEA kritisiert eine Haltung, die Eltern im Krisenfall zum Schweigen auffordert oder sie mit dem Hinweis abspeist, man werde alles intern klären. „Es ist ein gefährlicher Gedanke zu glauben, dass Eltern sich besser heraushalten sollten. Dadurch wird viel Vertrauen zerstört“, so Neugschwender weiter. Es könne auch nicht sein, dass Eltern oder Elternvertretungen bei Hinweisen auf Missstände von Stelle zu Stelle verwiesen werden. „Bei Fragen des Kindeswohls muss handeln, wer informiert ist. Zuständigkeits-Pingpong darf es hier nicht geben.“

Neben Transparenz und klaren Beschwerdewegen fordert der LEA ausdrücklich, dass betroffene Eltern nicht allein gelassen werden. Es dürfe nicht sein, dass Familien nach einer Meldung oder einem bestätigten Vorfall ohne Begleitung dastehen. Träger und zuständige Stellen müssten aktiv Unterstützung anbieten.

Darüber hinaus macht der LEA deutlich, dass Eltern nicht erst im Krisenfall beteiligt werden dürfen. „Schutzkonzepte, die ohne Eltern entstehen, greifen zu kurz“, betont Neugschwender. Nach dem Gesetz müssen Eltern bereits in die Entwicklung und regelmäßige Überarbeitung der Schutzkonzepte in den Kitas einbezogen werden. Dort können dann z.B. auch Kommunikationswege festgehalten werden.

Der LEA fordert eine transparente und verbindliche Informationspflicht und das Einhalten der verpflichtenden Beteiligung der Eltern an Schutzkonzepten. Außerdem müssen klare, leicht zugängliche Beschwerdewege, Schutz für Hinweisgebende vor Benachteiligung, konkrete Unterstützungsangebote für betroffene Familien und eine Kultur der Offenheit statt interner Abschottung geschaffen werden.

„Eltern sind keine Störfaktoren, sondern Teil der Verantwortungsgemeinschaft und wichtige Partner im Kinderschutz“, so Neugschwender abschließend. „Wer Vertrauen zurückgewinnen will, muss Eltern beteiligen, informieren und unterstützen und darf sie nicht ausschließen.“

Landeselternausschuss lehnt Verschulung von Kitas ab

Mainz, 04.02.2026. Der Vorschlag eines verpflichtenden Kita-Jahres vor der Einschulung stößt laut einer aktuellen Umfrage von infratest dimap im Auftrag des SWR Politikmagazins „Zur Sache Rheinland-Pfalz!“ auf breite Zustimmung in der Bevölkerung.
82 Prozent der Befragten bewerten ein solches Vorhaben als gut oder sehr gut.

Der Landeselternausschuss Rheinland-Pfalz (LEA RLP) warnt davor, aus dieser Zustimmung vorschnelle politische Schlüsse zu ziehen. „Hohe Zustimmungswerte ersetzen weder pädagogische Expertise noch eine tragfähige rechtliche Grundlage“, erklärt die Vorsitzende des LEA RLP, Annegret Neugschwender. „Der Ruf nach einem verpflichtenden Vorschuljahr ist politisch bequem aber fachlich kurzsichtig.“ Die breite Unterstützung für ein verpflichtendes Vorschuljahr beruht häufig auf der Vorstellung, dass unsere Kinder im Bildungssystem versagen. Es ist aber vielmehr ein veraltetes und überlastetes Bildungssystem, das versagt. Statt die nach wie vor großen Umsetzungsprobleme im Kita-System konsequent anzugehen, werde mit dem Vorschuljahr ein zusätzlicher Pflichtbaustein diskutiert, der an den eigentlichen Herausforderungen vorbeigeht.

Der Bildungsauftrag der Kitas ist unbestritten und zentral. Bildung in der frühen Kindheit ist jedoch immer als Teil der Trias Bildung, Erziehung und Betreuung zu verstehen. Es geht um eine ganzheitliche Entwicklung der Kinder. Sie dürfen nicht auf ein schulvorbereitendes Training oder auf ‚Basisqualifikationen‘ reduziert werden. „Kitas sind Entwicklungsorte, keine Vorstufen des Schulsystems“, betont Neugschwender. „Was Kinder brauchen, sind stabile Beziehungen, Kontinuität, Zeit und verlässliche Rahmenbedingungen – nicht zusätzlichen Leistungsdruck im Vorschulalter.“

Ein zentraler Aspekt wird in der aktuellen Debatte häufig ausgeblendet: Solange Kitas Teil der Kinder- und Jugendhilfe sind, kann es dort keine Bildungspflicht geben. Die Freiwilligkeit ist eine grundlegende rechtliche und fachliche Säule dieses Systems.

„Wer ein verpflichtendes Vorschuljahr fordert, müsste konsequenterweise die Kitas aus der Kinder- und Jugendhilfe herauslösen und ins Schulsystem überführen“, so Neugschwender. „Das hätte weitreichende und gravierende Nachteile für die Kinder, die Familien und die Fachkräfte.“ Eine solche Systemverschiebung würde die Stärken der frühkindlichen Bildung untergraben, ohne die erhofften Effekte zu erzielen.

Der LEA RLP lehnt ein verpflichtendes Vorschuljahr in Kitas weiterhin klar ab. Statt neuer Pflichten braucht es endlich verbindliche strukturelle Verbesserungen im Kita-System.
Nur so eröffnen sich echte Bildungschancen für Kinder statt Kitas zu Vorstufen der Schule zu degradieren.

Hintergrundinformationen:
Der Landeselternausschuss (LEA) RLP ist die gewählte gesetzliche Landesvertretung der Elternausschüsse der über 2750 rheinland-pfälzischen Kindertagesstätten nach § 13 KiTaG RLP.
Die ehrenamtlichen Vorstandsmitglieder Annegret Neugschwender (Vorsitzende), Michael Hermann (Stv. Vorsitzender), Sebastian Ebeling, Hamza Kaygisiz, Anna-Maria Liebing-Zimmermann, Björn Piro, Olga Schneider, Julia Schuhmacher, Dr. Asif Stöckel-Karim und Alexandra Stumpp (Beisitzer:innen) sind damit die Vertretung der über 200.000 rheinland-pfälzischen Kita-Eltern